Überangepasstheit und
People Pleasing

Wenn die Reaktion anderer mehr Gewicht bekommt als Deine eigene Position

 

Du sagst zu, obwohl Du eigentlich ablehnen möchtest. Du übernimmst Verantwortung, obwohl sie nicht wirklich bei Dir liegt. Du merkst sehr schnell, was andere brauchen oder erwarten, während Deine eigene Position erst später auftaucht. Oder Du weißt durchaus, was Du möchtest, aber die mögliche Enttäuschung, Ablehnung oder Verärgerung des Gegenübers bekommt im entscheidenden Moment mehr Gewicht.

Solche Situationen werden häufig unter dem Begriff People Pleasing zusammengefasst. Umgangssprachlich geht es dabei schnell um Harmoniebedürfnis, mangelnde Abgrenzung oder die Schwierigkeit, Nein zu sagen. Psychologisch ist das Phänomen komplexer. Die noch junge Forschung untersucht People Pleasing inzwischen als mehrdimensionales Konstrukt, kommt dabei allerdings noch zu unterschiedlichen inhaltlichen Modellen. ¹ ¹⁵ Eine aktuelle deutsche Untersuchung beschreibt unter anderem eine starke Orientierung an Erwartungen anderer, ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl für andere und die Vernachlässigung eigener Bedürfnisse. ¹

Natürlich ist nicht jedes Ja ein Zeichen von Überangepasstheit. Es kann Ausdruck von Fürsorge, Verbundenheit, einem bewusst gewählten Kompromiss oder einer vernünftigen Anpassung an eine Situation sein. Entscheidend ist vielmehr, wie frei Du in der konkreten Situation darüber entscheiden kannst, welches Gewicht Deine eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen im Verhältnis zu den Erwartungen anderer bekommen sollen.

Lies die folgenden, vertiefenden Texte der Reihe nach oder spring direkt zu dem Abschnitt, der Dich gerade besonders anspricht. Neben wissenschaftlich fundierten Einordnungen findest Du immer wieder Fragen zur Selbstreflexion, mit denen Du das Gelesene auf Deine eigene Situation beziehen kannst.